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UPDATE: „Info Service GmbH“ und woher die Daten möglicherweise stammen könnten
[17.07.2012]
In den letzten Tagen haben wir versucht, die Herkunft der Daten festzustellen. Dazu haben uns folgende Wegweiser gedient:
Einige Betroffene haben die Schreiben unter ihrem Mädchennamen erhalten. Diese Betroffenen erklären unisono, dass sie den Mädchennamen bis vor max. zwei Jahren noch getragen haben.
Bei einigen anderen Betroffenen waren eindeutig nachvollziehbare Schreibfehler vorhanden, wo sich die Betroffenen daran erinnern können, dass diese Schreibfehler auch bei „Gewinnspielbenachrichtigungen“ aus den Jahren 2010 bis 2011 so verwendet wurden.
Zuletzt sind alle Betroffenen auf die eine oder andere Weise mit einigen gleichen „Produkten“ der Gewinnspielmafia in den letzten Jahren (speziell zwischen 2010 und 2011) in unangenehme Berührung gekommen (Cold Calls, untergeschobene Verträge, illegale Abbuchugnen, etc.).
Dabei handelte es sich bei nahezu allen um die Produkte „Österreichische-Gewinn-Garantie“, „tip7“ und „Vip-Star“.
Das erste Produkt wurde eine Zeit lang von einer Firma G-Time Limited betrieben, wo dahinter allerdings letztendlich eine österreichische Firma in Krieglach / Kärnten gestanden ist. Die Verschleierung führte über die G-Time Limited in Großbritannien zur CONTRADO Limited nach London und schließlich zu einem Betreiber der Webseite in Krieglach, der sich mit Callcenter-Dialerlösungen befasst hat.
Die dazugehörige Webseite www. ögg. net ist mittlerweile keiner IP-Adresse mehr zugeordnet und deshalb auch über das Web nicht mehr erreichbar, aber dafür ist sie erst seit kurzem auf eine andere „bekannte“ Firma eingetragen: die Hodnant Holding Limited aus Zypern. Aber auch dahinter steht mutmaßlich ein anderer Betreiber - dies ist deshalb auch wahrscheinlich, weil sich ein Kärntner Anwalt vor kurzem erst im Namen dieser Firma an einem Inkasso versucht hat, der dann auch für eine Kärntner „Vorteilsgemeinschaft“ aufgetreten ist, hinter der wieder ein alter Bekannter steht, der in Ebenthal in Kärnten mit seiner Firma reüssiert und früher bereits für das berüchtigte „Wiener Karussell“ als Fullfillment-Anbieter gearbeitet hat.
Im Übrigen konnten die Betroffenen alle glaubhaft berichten (und vorlegen), dass sie alle mit denselben ColdCalls und denselben Tricks zu einer Teilnahme an der ÖGG gebracht wurden.
Die nächsten Portale, die in den Schreiben angegeben wurden, sind eben jene tip7 und Vip-Star.
Der Kundensupport für diese Produkte wird aktuell von der Firma Media-Kontakt GmbH aus Haltern in Deutschland wahrgenommen – einer Art von Nachfolgefirma der TVM Firmen Service GmbH, die erst vor kurzem (29.06.2012) aufgelöst wurde (steht aber noch so im Impressum der Vip-Star) und die einmal zum Firmenimperium des Jürgen Hewing gehörte. Mit der Firma Media-Kontakt GmbH haben wir bereits am ersten Tag nach Bekanntwerden des Betrugsversuches Kontakt aufgenommen. Dies deshalb, weil in den Impressen der betreffenden Webseiten Kontaktmailadressen angegeben waren, die wir – wie es sich gehört – offiziell angeschrieben und um Stellungnahme gebeten haben.
Bei der Nachschau vor Ort an der Postadresse in Wien stellte sich heraus, dass unter der angegebenen Adresse (wobei es sich um dreii Firmen handelt, die auf der gleichen Adresse eingetragen sind und dieselbe Geschäftsführerin haben) niemand zu erreichen ist und es sich dabei nur um „ladungsfähige“ Anschriften in einem Bürodienstleistungscenter handelt. Und, wir fanden auch eine „alte Bekannte“ auf derselben Adresse: die BS Alpenkönig GmbH.
Allerdings kam dann die Antwort auf unsere Anfrage nicht von den Firmen in Wien, sondern eben von jener aus Haltern in Deutschland.
Bei der Nachschau, mit wem wir es danun zu tun haben, sind wir in der langen Reihe von „Besitzern“ und auf der Adresse eingetragenen Personen und Unternehmen auch auf den Herrn Jürgen Hewing gestossen, der eine lange Zeit der Besitzer / Geschäftsführer einer Reihe von Firmen war / ist, die nun auch zum Teil den Kundensupport für das Produkt „Vip-Star“ übernommen hatte. Und auch hier gibt es eine interessante Verknüpfung zu Kärnten:
Sowohl Jürgen Hewing, als auch die BS Alpenkönig waren ursprünglich einmal in Kärnten beheimatet und zwar in Lieserbrücke.
Kurz gesagt: man kennt sich, hat zusammengearbeitet und zwar schon seit längerer Zeit.
Zurück zur Frage, woher die Datensätze stammen könnten, wird es interessant, weil derselbe Herr Hewing in dem Datenskandal 2008 mit Namen „Operation Goldesel“, wo mehr als 21 Millionen Datensätze illegal angeboten wurden, verwickelt war. Der damals im Visier der Ermittlung stehende Sotirios Mistakidis gab dabei an, dass er seine Daten (eben jene, die angeboten wurden) von seinen Partnern bekommen habe und dabei wurde aus dem Umfeld des Hernn Mistakidis auch eben jener Herrn Hewing genannt.
Quelle: Antiabzockenet.blogspot.com
Zur gleichen Zeit hat in Wien einer der nunmehr Hauptbeschuldigten im Verfahren des „Wiener Karussells“ „zufälligerweise“ dieselbe Menge an Datensätze (21 Millionen) über einen Mittelsmann angeboten und versucht einen Käufer dafür zu finden.
Man hat sich dabei damals desselben„Paymentdienstleisters“ für einige Produkte bedient (Alpenkönig und VIP-Spiel): der Pay4 aus Frankfurt. Die sorgte für die „rechtzeitige“ Einziehung und Überweisung der „Kundengelder“. Dessen Geschäftsführer musste sich im Übrigen vor dem LG Berlin wegen des Verdachts des bandenmäßigen Betruges verantworten.
Der nette Herr Mistakidis hat damals übrigens „vergessen“, dass einige seiner Firmen in dem sehr komplexen Verfahren gegen das „Wiener Karussell“ ebenfalls aufscheinen.
Egal, wie man es dreht und wendet, es scheint alles immer in die gleiche Richtung zu fließen:
Die Datensätze, welche für die Adressierung der Schreiben der „Inkasso Service GmbH“ verwendet wurden, stammen möglicherweise aus einem Zeitraum zwischen 2007 und 2010. Die Beteiligten haben just alle zu der Zeit ein mehr oder weniger intensives Geschäftsverhältnis zueinander gehabt.
Alle wurden damals über ein und denselben Paymentanbieter „abgerechnet“, wo einer der Hauptbeschuldigten im „Wiener Karussell“ administrative Rechte innehatte. Ein anderer Hauptbeschuldigter im selben Verfahren hatte „zufällig“ zur gleichen Zeit gerade 21 Millionen Adressen an der Hand.
Und man darf die Motivation nicht vergessen: die Datensätze hatte einen ungefähren Verkehrswert von € 12 Millionen und natürlich auch einen zusätzlichen Effekt: wer immer diese gekauft hätte /hat (das weiß man bis heute nicht so genau) bräuchte natürlich auch die Plattform und den Support, um daraus „Umsatz“ zu machen. Und da waren wieder dieselben Damen und Herren gefragt: von Callcenterdienstleister bis hin zum Paymenter, alle wieder in einem Boot. Es gilt natürlich für alle Beteilgten die Unschuldsvermutung.
Allerdings gibt es hier noch eine Möglichkeit zur Herkunft der Daten, die nicht unerwähnt bleiben darf: wir sind bei den Recherchen auf eine interessante Webseite gestoßen (http://adressfit.de/datenkarten/Alpenkoenig_Gewinnspiel.pdf), auf der die Firma Alpenkönig Datensätze zum Kauf oder zur Miete anbieten lässt....
Denn: die "Inkasso"-Schreiben behaupten alle, man hätte eine Schuld aus dem Jahre 2011. Und der Adressenverkauf stand mit eben genau dieser Datumsangaben zur Disposition ("...abgeglichen im Februar 2011").
Die in dem Verkaufsanbot und zur „Verifzierung“ dienende Webadresse www. freude-am-gewinnen.de (wo sich die „Kunden“ angeblich alle eingetragen hätten) ist nicht mehr vergeben und steht zum Verkauf und in der Wayback-Machine (ein Dienst, der alle früheren Ausgaben von Webseiten speichert) finden wir dann einen Herr Tobis Thide als Geschäftsführer einer Firma „Solarzukunft GmbH“, die im Jahr 2010 im Impressum stand. Interessant: im Jahr 2011 gab es die Seite offenbar gar nicht – wird aber als Referenz hergenommen. Und die Adresse vom „Anbieter“ adressfit.de ist dieselbe, wie sie auch die „Solarzukunft“ innehatte: Flughafenstrasse 61 in Troisdorf in Deutschland. Also wenn das nicht unglaubliche „Zufälle“ sind...
Bleiben also drei mögliche Varianten:
1. Die Daten stammen aus der „Operation Goldesel“,
2. Die Daten stammen aus dem „Wiener Karussell“,
3. Die Daten wurden ganz einfach still und leise über adressfit - möglicherweise auch ohne Wissen der Betreiber - weiterverkauft und nun missbräuchlich verwendet.
Jedenfalls raten wir dringend dazu, das Konto im Auge zu behalten! Wenn her Datensätze gehandlet wurden, dann sicherlich die kompletten und nicht nur Adressdaten.
Wenn Sie auch von der „Inkasso Service GmbH“ betroffen sind, dann melden Sie sich bitte unter sos@verein-vpt.at
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